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  Südstadtfest Nürnberg 2009

LOKALMELDUNGEN - NÜRNBERG vom 8.Juli 2009:

Kalorien-Bomben schlugen voll ein

Der Stadtanzeiger testete das Essen am Südstadtfest

NÜRNBERG - «Gesünder leben in der Südstadt» das war das Motto am Südtstadtfest. Ob dieser Satz auch tatsächlich zutrifft, das hat die Ernährungsberaterin Andrea Louzil gemeinsam mit dem Stadtanzeiger wissen wollen. Ihr Fazit: Wer seinen Tagesbedarf an Kalorien möglichst schnell abdecken wollte, war im Annapark jedenfalls genau richtig.

Schweißperlen sammeln sich in den Nacken, verkleben die Haare zu Strähnen. Die Hemden und T-Shirts pappen auf der Haut die Drüsen triefen, das drückend-schwüle Wetter erinnert an tropisches Klima. Die Grills geben das Übrige dazu: Wer am Samstag Nachmittag durch die Speise-Gasse des Südstadtfestes schlendert, dem schieben sich zigfache Rauchschwaden entgegen. Über den Köpfen der Besucher vereinen sich die Qualmwolken und es scheint, als blieben sie in der unbewegten Luft über dem Festplatz stehen.

Cevapcici, Döner und Steaks

In dieser Umgebung bahnt sich Lebensmittelberaterin Andrea Louzil einen Weg an den Ess-Ständen entlang: «Cevapcici, Döner, Cevapcici, Döner, Steaks, Cevapcici hier dominiert gegrilltes Fleisch», sagt sie.

An einem spanischen Tresen dann ein Lichtblick: Paella

Gerade schnappt sich ein junger Mann einen mit dem spanischen Reisgericht gehäuften Teller. «Darf ich mal auf Ihren Teller sehen?», fragt die Ökotrophologin. Von dem unerwarteten Ansinnen überrascht, zögert er, gibt den Blick dann aber doch frei. Louzil schaut prüfend über die Hügellandschaft aus Reis mit ihren farbigen Zusätzen. «Aha, Safranreis, Shrimps, Hühnchen, Muscheln, Erbsen, Zwiebeln und Tomaten», murmelt sie, verabschiedet sich und wünscht einen guten Appetit.

Paella ein gesundes Essen

Für sie ist klar: Das ist ein gesundes Essen. Der Fleischanteil in Form von Meeresfrüchten steht in einem guten Verhältnis zu den anderen Beigaben. «Erbsen sind als Hülsenfrüchte verdauungsfördernd und verzögern auch den Blutzuckeranstieg», fachsimpelt sie. Dagegen sei der Döner nicht so gesund, obwohl zwischen den Fladenhälften neben Fleisch auch Blaukraut, Salat und Zwiebeln eingeklemmt sind. «Das pappende Weißbrot ist kalorienhaltig und erhöht den Blutzuckeranteil», sagt sie.

Auch beim Börek in der Auslage an einem Stand rümpft sie die Nase. «Die Pfannkuchenfladen sind riesengroß. Damit deckt man den halben Tagesbedarf an Kalorien, den ein Erwachsener braucht», mahnt die Ernährungsberaterin.

Auch Stadtrat Jürgen Wolff (Grüne) schlendert über den Platz, sucht nach einer passenden Mahlzeit und bestellt einen Börek. Wolff lässt ebenfalls die kritischen Blicke von Andrea Louzil zu. Er bietet sogar an, die Teigtasche einmal zu öffnen. «Das ist gut», resümiert sie, nachdem der Stadtrat die «Innereien» des Imbiss freigelegt hat: Spinat, Ziegenkäse, Zwiebeln und Chili.

Suche nach Häppchen

Der Verkäufer, der die Szene argwöhnisch beobachtet, will die erste Bewertung nicht auf sich sitzen lassen: «Das ist ein leichtes Essen. Der Teig ist extra dünn ausgerollt.» Doch Louzil bleibt dabei: Zu viel Teig und der Verkäufer hat sich auch nicht darauf eingelassen, auf Wunsch von Jürgen Wolff den Börek zu halbieren.

Überhaupt vermisst sie die kleineren Häppchen. Fündig wird sie am Stand des Vietnamesischen Kulturvereins. Dort schlummern hinter Scheiben leckere Saté-Spieße - nicht zu fett und nicht zu groß. Ebenso die Frühlingsrollen. Sie sind nicht länger wie ein Ringfinger und daher in kleinen Häppchen genießbar. «Das sind keine Kalorienbomben», sagt sie. Ihre Stirn legt sie wieder in Falten, als sie am selben Stand die sogenannten Gemüsenudeln entdeckt: «Das sind viel zu viele Nudeln mit nur wenigen Gemüsesplittern darin.»

«Von Gesund ist hier keine Spur»

Vorbei an einem Stand mit Popcorn und Zuckerwatte (Louzil: «Von Gesund ist hier keine Spur»), vorbei an Besuchern, die im Stehen in ihre erbeuteten Fressalien reinbeißen oder alkoholische wie nichtalkoholische Getränke an die Münder führen. Fruchtsäfte werden angepriesen.

Doch die Ernährungsberaterin warnt. «Pure Säfte sind als Durstlöscher nicht geeignet. Besser ist es, sie mit Mineralwasser zu verdünnen», erklärt sie. Warum? Dadurch steige der Blutzucker schnell an. «Vorsicht ist geboten, wir haben bereits zehn Millionen Diabetiker in Deutschland.» Was sie von dem Motto des Festes «Gesünder leben in der Südstadt» hält? Nicht viel. Louzil: «Zusammenfassend unterscheidet sich das Nahrungsangebot - bis auf wenige Ausnahmen - nicht sehr von dem einer gewöhnlichen Kirchweih.»

Alexander Brock

8.7.2009